Die Sprache der Trauer

Abschiedsrituale
In unserer modernen Welt gibt es keine festen Regeln und Rituale mehr, wie mit einem verstorbenen Angehörigen umgegangen wird. Viele Menschen sterben nicht mehr zuhause, und das Abschiednehmen erfolgt häufig erst bei der Trauerfeier auf dem Friedhof oder in unserem Verabschiedungsraum.

Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen äußern manche Angehörige den Wunsch, den verstorbenen Menschen mit waschen und einkleiden zu dürfen. Wir finden es schön, dass Ihnen das wichtig ist und helfen Ihnen gerne dabei oder beraten Sie dazu. Dieser liebevolle letzte Dienst kann Ihnen helfen, den Abschied besser anzunehmen.

Auch eine offene Aufbahrung, bei der Sie noch einmal ganz unmittelbar Abschied nehmen können, ist ein ganz persönlicher Weg, einen Menschen gehen zu lassen. Dies kann entweder in unserem Institut geschehen oder auf dem Friedhof, aber selbstverständlich auch bei den Angehörigen zuhause oder in der Wohnung der/des Verstorbenen. Gerade der alte Brauch, einen verstorbenen Menschen eine gewisse Zeit im Haus zu behalten, verbindet die Totenwache mit dem Bedürfnis der Trauernden, immer wieder zu der/dem Toten gehen zu können, um zu realisieren was geschehen ist und Abschied zu nehmen.

Auf dieses Bedürfnis gehen wir auch dann ein, wenn sich der Sterbefall in einem Krankenhaus, Heim oder Hospiz ereignet hat. Gern bringen wir die Verstorbene oder den Verstorbenen zu Ihnen, um die Hausaufbahrung zu ermöglichen.

Den Abschied für jemanden zu gestalten und dabei ganz persönliche Wege zu gehen, ist erlaubt. Nahezu alle Bereiche der Bestattung können individuell gestaltet werden, und das kann helfen, den Verlust besser zu verkraften.

Sie würden gerne den Sarg oder die Urne bemalen, einen ganz bestimmten Blumenschmuck oder eine völlig andere Dekoration, einen Trauerredner oder eine Trauerrednerin, dass Fotos oder Filme des verstorbenen Menschen in der Abschiedshalle gezeigt werden, dass der Sarg oder die Urne von Freunden getragen wird oder einen besonderen Raum für das Beisammensein mit den Trauergästen?
Sprechen Sie mit uns über Ihre Wünsche und Vorstellungen!

Worte & Gesten

Worte der Trauer, des Abschieds und des Mitgefühls sind für viele Menschen die letzte Erinnerung an einen verstorbenen Menschen. Dabei sind gerade Trauerbriefe hilfreich, denn sie sind als geschriebene Worte ganz konkrete Erinnerungsstücke. Diese Briefe werden aufbewahrt.

Die Nachricht vom Tod eines Menschen ist etwas Besonderes. Ein schön gestalteter Trauerbrief wird seinem Anliegen gerecht. Er muss nicht zwangsläufig mit schwarzer Umrandung verziert sein. Trauerpost zu verschicken ist die Bewahrung einer schönen Tradition.

Wir helfen Ihnen gerne bei der Erstellung des Textes für Ihre Trauerpost und stellen diese in unserem Haus her, so dass Trauerbriefe und Danksagungen ihre Empfänger zügig erreichen. Doch wie findet man die richtigen Worte, wenn es darum geht, den Angehörigen sein Mitgefühl auszudrücken? Die angemessene Form der Kondolenz ist nicht einfach. Denn im Allgemeinen wollen wir mit dem Tod möglichst nichts zu tun haben. Deswegen reden wir nicht darüber und finden, falls es doch einmal nötig wird, keine passenden Worte.

Sensibilität

Der Tod muss nicht schöngeredet werden. Er kann es auch gar nicht. Er ist immer schrecklich. Und er ist unabwendbar, das muss nicht betont werden. Gerade Trauernde sind sehr sensibel, Floskeln wie „heimgehen“ oder „erlöst werden“ passen häufig nicht so gut. Seien Sie zurückhaltend mit religiösen Worten, wenn Sie das Trauerhaus nicht gut kennen oder fürchten müssen, damit Anstoß zu erregen.

Reaktion

Ein Kondolenzbrief sollte möglichst zeitnah nach Erhalt der Todesnachricht verfasst werden. Wenn eine Todesnachricht Sie viel später erreicht hat, als dies vom Absender erwartet war, dann weisen Sie in Ihrem Kondolenzschreiben darauf hin und erklären Sie in wenigen Worten die Situation (dass Sie verreist waren, umgezogen sind o.ä.) und damit Ihre späte Reaktion und/oder Ihr Ausbleiben bei der Beisetzung.

Anteilnahme

Wenn es Ihnen gelungen ist, sich in die Situation der/des Trauernden zu versetzen, dann dürfen Sie entgegen jeder blumigen Umschreibung damit beginnen, was jetzt Ihre Gefühle sind. Damit bekunden Sie bereits Ihr Beileid. Sie fühlen mit – und das dürfen Sie auch schreiben. Sie dürfen Ihre eigene Sprachlosigkeit ausdrücken. Einfache und ehrliche Worte sind angebracht – je mehr umso näher Sie der trauernden Person stehen. Schließlich die Würdigung der oder des Verstorbenen. Was haben Sie besonders geschätzt? Was werden Sie vermissen? Je näher Sie dem Trauerhaus stehen, umso privater darf diese Würdigung formuliert werden.
Bieten Sie ihre Hilfe an. Ob einfach nur Zuhören oder konkrete Hilfen, muss der Situation angepasst werden.
Lassen Sie dem Empfänger Ihres Briefes Zeit genug, darauf zu reagieren. Kondolenz bedeutet auch, sich selbst und die eigene Hilfsbereitschaft zurückzustellen.

Ermutigung

Sie dürfen das Kondolenzschreiben mit einer Ermutigung schließen. Ein „es wird schon wieder“ oder „die Zeit heilt alle Wunden“ hat hier nichts zu suchen. Vielmehr geht es darum, Mut zuzusprechen für eine schwierige Zeit und das Aushalten auswegloser Gedanken. Mut, sich einer Trauergruppe anzuschließen, oder den Mut, um Hilfe zu bitten. Ein solcher Zuspruch korrespondiert auch mit einem Hilfsangebot.

Formsache

Verfassen Sie den Text handschriftlich auf einer möglichst angemessenen Karte oder einem angemessenen Briefbogen.
Achten Sie, speziell dann wenn Ihnen die verstorbene Person nicht besonders nahestand, auf eine korrekte Schreibweise des vollen Namens. Formulieren Sie eine positive Würdigung.
Achten Sie darauf, dass die Anrede im Verhältnis zu Ihrer Beziehung mit dem Trauerhaus steht.
Bieten Sie eventuell auch nicht nahestehenden Personen Hilfe an. Achten Sie ganz besonders auf Rechtschreibung und Sauberkeit des Schreibens.

die Sprache der Trauer

Blumengesteck auf dem Sarg

Lexikon Blumensymbolik
Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen Ich habe immer, immer dein gedacht; Ich möchte schlafen; aber Du musst tanzen.
(Theodor Storm)

Seit jeher begleiten wir Verstorbene auf ihrem letzten Weg mit Blumen. Nur ihnen ist es vorbehalten bunt zu sein, wenn ein Mensch gestorben ist. Blumen tragen keine Trauer. Sie sind vergänglich, so wie der Mensch es war, dem sie zugedacht sind. In ihrem Leuchten liegt Trost, in ihrer Blüte Lebendigkeit. Wenn wir sie auswählen, beschäftigen wir uns mit uns selbst und mit dem Menschen, der gegangen ist. Durch das, was wir mit ihrer Art und Farbe verbinden, geben wir ihm ein letztes Wort mit. Wenn wir eine Grabstelle mit Pflanzen schmücken, kann dies dauerhaft eine liebevolle Verbindung schaffen.
Dabei berücksichtigen wir Form und Wuchs der Pflanze, ihre Farbe und die Zahl ihrer Blüten, ihre Früchte, ihre Duft- und Heilwirkung, ihre Bedeutung in unserer Religion und unserer Kultur.

Einige Beispiele haben wir für Sie zusammengestellt:
Der Lavendel

steht für Reinheit, klares Leben, Erinnerung, geheimes Einverständnis, Abwehr des Bösen. Der Duft von Lavendel erschafft die Vorstellung der Reinigung. Er entspannt und regt zugleich an, vermittelt das Gefühl innerer Harmonie. Die blau-violette Farbe des Lavendels verbinden wir mit Treue, Geist, Göttlichkeit, Beständigkeit.

Die Lilie

(Lilium candidum) ist das Zeichen des (französischen) Königs. Sie ist edel, Würde und Unantastbarkeit sind ihre Themen. Entstanden aus der Milch der Göttermutter Hera stehen weiße Lilien seit der griechischen Antike für das Heilige, für Keuschheit, Jungfräulichkeit, Erwählung, Hoffnung, Reinheit, edle Gesinnung, Schönheit, Gnade und Vergebung, Unschuld und Tod. Die Landgüterordnung Karls der Großen aus dem Jahr 795 forderte die Lilie in allen Klostergärten. Als Totenblumen wurden sie auch wegen ihres starken Duftes geschätzt, und es hieß, sie wüchsen ganz von alleine am dritten Tage auf den Gräbern unschuldig Gestorbener. Bis heute symbolisieren weiße Lilien die Auferstehung der reinen Seele.

Die Narzisse

(Narcissus pseudonarcissus und Narcissus poeticus) begleitet den Frühling. Sie ist Bote des Lichts und Symbol der überwundenen Winterdunkelheit. Sie bringt Brautstand (weiße Narzisse) und Fruchtbarkeit, erinnert an den Sieg Christi über den Tod. Das Orange der zarten Blütenvermittelt Frieden, Optimismus, Anregung und Freude. Bereits in pharaonischer Zeit gab man Mumien Narzissenzwiebeln mit auf ihre Reise in die Ewigkeit.

Die Nelke

(Dianthus caryophyllus) ist die Blume der göttlichen und irdischen Liebe. Sie verheißt überströmendes Schenken und Großzügigkeit, begleitet Verlöbnis, Freundschaft, kämpferische Gemeinschaft. Auch Heilkraft wurde ihr zugeschrieben. So lies der Sage nach Ludwig der Heilige im 13. Jahrhundert seine an der Pest erkrankten Kreuzritter mit dem Saft der Nelke behandeln. Nach christlicher Lesart ist die Nelke eng mit der Passion Christi verbunden. Denn seit dem 15. Jahrhundert war der Name „Nelke“ von der Gewürznelke auf die Gartennelke übergegangen. Das Gewürz aber erinnert in seiner Form an Nägel, und aus dem altdeutschen „Nägelin“ wurde „Nelke“. Seit 1907 ist die Nelke die Blume des Muttertages.

Die Rose

(Rosa gallica) ist für uns das Symbol der Liebe und Hingabe. Rote Rosen zeigen Liebe, Leben und Feuer, dunkleres Rot spricht von Leidenschaft, Schwarz auch von Trauer, Weltferne und Individualität. Einer jüdischen Legende nach stammt die Farbe der roten Rose vom ersten Blutstropfen, der auf die Erde fiel.
In einer helleren Farbe drücken sie Zärtlichkeit und Zurückhaltung bis hin zur Reinheit weißer Rosen aus.

Die Sonnenblume

(Helianthus annuus) steht für Freiheit und Bewusstsein, Ernte und Licht. Ihre Strahlkraft und ihr fester Stängel verheißen Wachstum und Entwicklung. Sie ist nicht umsonst die Symbolpflanze vieler Kindergärten. Während ihres gesamten Wachstums wendet sich die Blume der Sonne zu, ihre Hauptblüte richtet sie exakt nach Osten, dem Sonnenaufgang entgegen. Bereits um 3000 v.Chr. wurde die Sonnenblume von indianischen Völkern zur Nahrung und in der Heilkunde und Kosmetik genutzt.Ihr Gelb ist die Farbe der Wärme, Sonne und Öffnung.

Das Stiefmütterchen

(Viola tricolor) erinnert in christlicher Symbolik an ein von einem Strahlenkranz umgebenes Auge als Zeichen der göttlichen Dreieinigkeit. Auch besondere Kräfte werden der Pflanze zugeschrieben. So träufelte in Shakespeares „Sommernachtstraum“ Oberon der schlafenden Titania Steifmütterchensaft auf die Lider, auf dass sie beim Erwachen sich in das erste Wesen verlieben sollte, das ihre Augen sähen. Tatsächlich gilt die Blume seit jeher auch als Zeichen der Treue, das (bis heute) in keinem Poesiealbum fehlt.

Die Tulpe

(Tulipa gesneriana) gehört zur Familie der Liliengewächse. Ihre Bedeutung ist (auch materielles) Glück, fruchtbares Leben, vollkommene Schönheit und Liebe als Geheimnis des Ewigen. Ihr gerader, aufrechter Wuchs führt sie der Sonne zu, bei deren Untergang die Blüte sich schließt. Mythologie und Dichtung kennen die aus Persien stammende Tulpe nur wenig, doch dem Volk war und ist sie eine Frühlingsblume, ein Symbol für die Auferstehung nach dem Tode.

Efeu, Buchsbaum und Lorbeer sind seit der Antike Pflanzen der Unsterblichkeit und Ewigkeit. Ihr Grün entspringt der reinen, ruhigen, immerwährenden Natur.

Auch andere, größere Pflanzen können – soweit räumlich möglich und von der Friedhofsordnung erlaubt – einer Grabstelle eine ganz persönliche Note geben.

Eine (Trauer-)Weide etwa wurzelt in feuchten, lebendigen Böden. Ihre Verbeugung strahlt Demut aus, und ihr Dach lässt manches Grab besonders beschützt wirken. Scheinzypressen oder Koniferen symbolisieren Tod und Trauer in der Tradition des mediterranen Totenbaums, der Zypresse.